Schopenhauer

* 22. Februar 1788 in Danzig
† 21. September 1860 in Frankfurt am Main

..ist der ewige Griesgram der Philosophie.
So zumindest im visuellen Gedächtnis. wozu sein grimmiges Foto einiges beigetragen hat.

Dabei hat er eigentlich eine frohe Botschaft zu verkünden und ruft in seinen Schriften zu Liebe und Mitgefühl auf. Denn es geht ihm um die buddhistische Ethik, die er – wenn auch durch die Brille eines westlichen Philosophen – der Welt näherbringen möchte.

Was heißt „durch die Brille eines westlichen Philosophen“?

 

Das kann man in seinem Mammutwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ nachlesen: wie der Titel sagt, bietet Schopenhauer hier eine Weltsicht an, die esoterisch anmutet: die Welt als ein Produkt unseres Geistes. Eine solche Weltsicht findet man auch in der indischen Philosophie, wie z.B. in den Veden, auf die auch Schopenhauer zurückgreift. Bekannt ist die sog. „Brahman = Atman„-These, die besagt: die Welt (brahman) ist im Grunde das Gleiche wie der Kern unseres Wesens (atman). Oder kurz gefasst: Wir sind die Welt.
Schopenhauer nun verbindet diese Sicht mit der Philosophie Kants: Kant war ebenfalls kritisch gegenüber unhinterfragten Alltags-Annahmen, wie z.B.

  • die Dinge sind so, wie wir sie sehen, oder auch:
  • Die Welt existiert unabhängig von uns.

Kant ging vielmehr davon aus, dass die Welt nicht einfach so gegeben ist, sondern unser Verstand und unsere Sinne beteiligt sind an der Produktion unserer Wirklichkeit. Über die Welt „an sich“, oder wie Kant es abstrakt zusammenfasst: „das Ding an sich„, können wir niemals adäquat urteilen, weil wir eben niemals neutral die Wirklichkeit so sehen, wie sie „an sich“ ist. (Siehe auch hier)

Schopenhauer nun identifiziert das „Ding an sich“ mit einer Art menschlichen Urkraft, dem Willen. Damit ist nicht der auf bestimmte Dinge gerichtete Wunsch gemeint, sondern ein tiefer liegender Lebenswille, der uns unbewusst antreibt. „Die Welt als Wille und Vorstellung“ ist somit unser Kopfprodukt, aber zugleich durch etwas bestimmt, das tiefer liegt als unser unmittelbares Verständnis und dennoch in uns schlummert, nämlich der Wille. Dies kommt tatsächlich einer buddhistischen Weltsicht sehr nahe, denn auch hier wird die Welt als Produkt unserer Wahrnehmung betrachtet und die Wahrnehmung wiederum als verformt durch unser Wollen.