Zunächst: ein paar philosophische Positionen zur Sprache:

  • die Grenzen unserer Sprache sind die Grenzen unserer Welt (Wittgenstein)
  • das Denken (mit Wörtern) ist eine Form des In-der-Welt-Seins (Heidegger)
  • die symbolische Ordnung (der Sprache) ist unhintergehtbar (Lacan)

Das alles drückt aus: die Welt, wie wir sie wahrnehmen, ist geformt durch die Sprache sowie unser inneres Sprechen (das Denken), das auch unser Sprechen nach außen mit bestimmt.

Manch einer mag sich selbst als Gegenbeispiel anführen und behaupten: ich sehe die Welt, so wie sie ist, unabhängig davon, wie ich darüber spreche oder darüber denke. Ich denke auch nicht andauernd über die Welt nach.

Man muss sich allerdings bewusst machen, wie sehr man im allgemeinen mit seinem Kopf in einem Diskurs mit sich selbst verwickelt ist, der auch teilweise im Unterbewusstsein weitergeht. Es gibt so etwas wie eine innere Steuerung durch Sprache.
Dazu einige Beispiele:

  • Lächeln, Bauch einziehen, Rücken gerade aufrichten, ruhig atmen – besonders in Gesellschaft gibt irgendetwas in unserem Innern Befehle an den Körper. Das ist gekoppelt an bestimmte (Denk)-Modelle und Bilder von uns selbst.
  • seine Meinung sagen, jemanden kritisieren, etwas erklären – auch hier wacht eine innere Distanz darüber, wie wir uns darstellen. Auch wenn man dabei meint, eine objektive Sicht wiederzugeben, liegt dem jedoch eine innere Steuerung zugrunde, die unser Sprechen und Denken modelliert.

Besonders auffällig wird das Verwobensein von Sprache und Existenz im Ausland. Man kann z.B. das Japanische nicht einfach nur erlernen, indem man die Wörter lernt. Um den Gebrauchskontext zu verstehen, das übermittelte Gefühl, die Wirkung von Wörtern auf andere, sowie der richtige Tonfall, in dem man etwas sagt – dazu muss man geradezu „eintauchen“ in die japanische Art und Weise, in der Welt zu sein. Das ist immer nur bis zu einer gewissen Grenze möglich.