ein paar Gedanken zum Buch „Die Kunst, frei zu sein“ von Tom Hodgkinson.
In seiner Direktheit entwaffnend ruft es auf zu Faulheit, zum Nichtstun. Der Imperativ „Hör auf, Dir Mühe zu geben!“ klingt befreiend.
Hodgkinson gibt zudem ein paar praktische Ratschläge: wenn´s geht, nimm Dir ein Jahr frei. Finde deine Berufung. Drei bezahlte Arbeit pro Tag genügen.

Tatsächlich steht die Arbeit oft im Zentrum des Alltags und wenn diese frustriert, ist das Leben aus der Balance.
Demgegenüber steht der Müßgiggang, zusammen mit einer Arbeit, die als Ergänzung und Erfüllung, nicht als Gegensatz zum Leben erlebt wird.

Interessanterweise verbindet Hodgkinson ein solches Leben mit Vorbildern aus dem Mittelalter, in welchem eine katholisch geprägte Gesellschaft mehr Freiheit versprach und Skepsis gegen den Handel und das fiebrige Arbeiten hegte.
Erst die puritanische Revolution und der Protestantismus haben das Arbeitsethos im Denken der Menschen, vor allem der Mittelschicht, verankert. Und der Staat ist – laut Hodgkinson – im wesentlichen institutionalisierte Mittelschichts-Ideologie.

Dazu ein paar Gedanken…

  • grundsätzlich ist die Idee anregend, sein Leben in die Hand zu nehmen, und nach historischen und philosophsichen Vorbildern zu suchen, diese dann lebenspraktisch in die Tat umzusetzen. So wird das Leben zum Experiment. Daraus aber ein Programm zu machen, das man der Welt verkündet, ist allerdings ein Schritt, der mit Vorsicht getan werden sollte und mit einigen Fragen verbunden ist:
    • ist das Programm allgemeingültig? oder allzu sehr zugeschnitten auf meine Lebensumstände und Bedürfnisse
    • umsetzbar?
      Mir scheint, dass hier Hodgkinson einiges offen lässt.
  • Das Bild des Mittelalters einmal jenseits der Vorurteile des „Dunkeln“ und der „Unterdrückung durch Kirche“ zu zeichnen, finde ich eine tolle Inspiration. Allerdings scheint das Bild von Hodgkinson ein wenig zu liebelich und lässt eine Reihe von sozialen Realitäten unter den Tisch fallen, wie Krankheiten, Machtwillkür, Fronarbeit u.a.