Verfolgung

Dargestellt sind hier die mittelalterlichen Figuren “Ecclesia” und “Synagoga”, die – meist als Steinfiguren an Kirchen – Christentum und Judentum symbolisieren: das Christentum als überlegene, sehende Macht; das Judentum blind und mit gebrochenen Insignien vergangener Pracht. Die Arroganz, die in dieser Allegorie zum Ausdruck kommt, schlägt immer wieder in Gewalt um: so beispielsweise im Spanien des 15. und 16. Jahrhunderts, das 1478 von Papst Sixtus IV. die Erlaubnis erhält, eine königliche Inquisition zur Verfolgung Andersgläubiger einzusetzen.

Amsterdam

Bei dem genannten Mitglied der Gemeinde handelt es sich um Uriel Da Costa, der in einer Schrift Zweifel an der Unsterblichkeit der individuellen Seele äußerte. Nach zweifacher Verurteilung wurde er öffentlich gedemütigt. Der Spinoza-Biograf Helmut Seidel schreibt dazu: “Das Schauspiel, an dem der achtjährige Spinoza wahrscheinlich teilgenommen, zumindest aber davon gewusst hat, war schrecklich. Der völlig entkleidete Zweifler wurde vor die Schwelle der Synagoge gelegt, und die ganze Gemeinde schritt über ihn hinweg. Da Costa hat die Schmach nicht verwunden und starb durch Selbstmord. Spinoza hat dieses Ereignis nicht vergessen.” (S. 135,  Baruch de Spinoza – zur Einführung)

Fluch

Der Text des Bannspruchs:

“Nach dem Urteil der Engel und der Aussage der Heiligen verbannen, verfluchen, verwünschen und verdammen wir Baruch d’Espinosa … Er sei verflucht bei Tag und verflucht bei Nacht, verflucht sein Hinlegen und verflucht sein Kommen … Hütet euch: daß niemand mündlich noch schriftlich mit ihm verkehre, niemand ihm die geringste Gunst erweise, niemand unter einem Dach mit ihm wohnt, niemand sich ihm auf vier Ellen nähere, niemand eine von ihm gemachte oder geschriebene Schrift lese.” (zit. n . Metzler Philosophen Lexikon, S. 693)

Wie konnte einen 23-Jährigen, der bis dato noch nichts veröffentlicht hatte, ein so hartes Urteil treffen?

In der Biografie “Spinoza – A Life” vermutet Steven Nadler, dass es sein bereits offen zutage tretender Atheismus war, der den Glauben der Gemeinde herausforderte. Spinoza glaubte nicht, dass die individuelle Seele über den Tod hinauslebt und somit gerichtet werden kann. Damit entzog er einem auf Angst beruhendem Gehorsam den Boden.

In fact, he suggests, hope and fear are merely the emotions that religious leaders manipulate in order to keep their flocks in a state of worshipful submission. (Nadler: Spinoza – A LIfe, 131)

Gilles Deleuze warnt allerdings in seinem wunderbaren Buch über Spinoza davor, sich die Amsterdamer Judengemeinde als homogenen, feindlichen Block vorzustellen. Der Bruch wurde auch von Spinoza forciert, der letztlich in keiner Umgebung wirklich Fuß fassen konnte. (S. 12)

Ethica

Die “Ethik” (lat: Ethica) ist das Hauptwerk von Spinoza. Der Zusatz “nach geometrischer Methode dargestellt” bezeichnet die Methode der Beweisführung. Inspiriert unter anderen von René Descartes verfährt Spinoza bei der Ausführung seiner Philosophie nach dem Vorbild der Geometrie: er entscheidet sich für ein Set von Grundwahrheiten (Axiome) und baut darauf seine ganze Argumentation durch strenge Ableitung und Kombination auf.

Ewigkeit

“Der menschliche Geist kann mit dem Körper nicht gänzlich vernichtet werden, sondern es bleibt etwas von ihm übrig, das ewig ist.”

Dieser Satz entstammt, wie oben angemerkt, der “Ethik”. Oberflächlich betrachtet scheint Spinoza, obwohl gerade aufgrund seines Irrglaubens aus Amsterdam verbannt (Siehe Panel 3), nun selbst zur Idee der Unsterblichkeit der Seele zurückzukehren. Doch die Dinge liegen bei ihm ein wenig anders. Was meint Spinoza mit der Ewigkeit des Geistes? Mehr dazu in diesem Artikel.