Studium

Kukai (774-835) war als Gründer des Shingon-Buddhismus einer der bedeutendsten Mönche Japans, der den Buddhismus grundlegend revolutionierte und erweiterte.

Diese Erweiterung lag vor allem in den esoterischen Aspekten seiner Lehre: Buddha war für Kukai nicht nur eine historische Figur, dessen Schriften man studieren und dessen Gebote man innerhalb einer Mönchsgemeinde folgen sollte. Vielmehr ist die Natur selbst, ja das ganze Universum „Buddha“ – und zwar in dem Sinne, dass alles – auf die richtige Weise betrachtet – die eigene Erleuchtung fördern kann.

Vor dieser Erkenntnis lag jedoch ein weiter Weg. Dieser Weg begann für Kukai selbst zunächst im Studium der Schriften. Obwohl sehr begabt und daher schon schnell zugelassen zur Universität der Hauptstadt, erschien ihm jedoch das reine Textstudium leer und bedeutungslos.

Er wollte kein Wissen, keine Bildung, sondern absolute Wahrheit – inmitten dieser vergänglichen Welt.

Vgl. Hakeda: Kukai – Major Works, S. 15ff, 152ff

Wanderleben

Erste Meditationsübungen wecken ein tiefes Interesse bei Kukai – eine Sehnsucht nach einer Erkenntnis jenseits der Worte. Er beschließt, sein Studium abzubrechen und führt das entbehrungsreiche, aber auch freie Leben eines wandernden Bergasketen.

Vgl. Hakeda: Kukai – Major works, S. 20ff

Fudo

Im Alter von 30 Jahren (804) bekommt er Gelegenheit, an einer Expedition nach China teilzunehmen – die entscheidende Wendung in Kukais Leben, denn in der chinesischen Hauptstadt Ch’ang-an lernt er den Meister Hui-kuo kennen, der in die Lehren des esoterischen Buddhismus eingeweiht ist.

Doch vor dieser Begegnung lag eine gefahrvolle und strapaziöse Schiffsreise. Nichtsdestotrotz überstand Kukai im Gegensatz zu einigen Mitreisenden die Überfahrt und konnte bei der Rückfahrt eine Fülle von Statuen, rituellen Instrumenten sowie Schrift- und Bildrollen mit nach Japan bringen, darunter auch eine Statue des Fudo-Myo-O. (Siehe hier)

Diese Gestalt symbolisiert den Aspekt strenger Unterweisung und die Selbstdisziplinierung hin zur ‘Unbewegtheit’ ( Fu (Nicht), Dó (Bewegung)) – dem Ausharren inmitten von Strapazen.

Ritual

In erstaunlich schneller Zeit meisterte Kukai in China die Einweihung in die esoterischen Lehren und konnte so in Japan mit dem Material, das er aus China mitbrachte, die Riten fortführen.

Der Ritus als heilige Handlung ist integraler Bestandteil des esoterischen Buddhismus, der das Bewusstsein des Praktizierenden über das (exoterische) Textstudium hinausführt und an konkrete Formen bindet, deren Bedeutung sich erst im Vollzug des Ritus nach und nach erschließt.

Tempel

Die Bemühungen Kukais fanden auch die Anerkennung seitens des Hofes, so dass er beauftragt wurde, öffentliche Riten durchzuführen.

Im Jahre 816 dann konnte er das bis heute bestehende Zentrum des Shingon-Buddhismus aufbauen, ein Tempelkomplex auf dem Berg Koya, wo Kukai knapp 20 Jahre später im Alter von 61 Jahren verstarb. Im Bewusstsein der Gläubigen weilt sein Geist bis heute dort.

Shingon

„Shin-gon“ bedeutet „wahres (shin) Wort (gon)“ und gemeint ist damit das Mantra, das neben Techniken der rituellen Gestik (Mudra) und der Visualisierung (Mandala), zu den drei Medien gehört, die die ewige Existenz Buddhas in dieser Welt erfahrbar machen können.
http://plato.stanford.edu/entries/kukai/#SanThrMys

Der Buddhismus ist durch die Lehren des Shingon in seinen Dimensionen erweitert worden, so dass „Buddha“ nicht mehr nur die historische Figur bezeichnet, sondern eine kosmische Energie, die über Meditation, rituelle Praxis und alltägliche Übung das eigene Bewusstsein erweitern kann.